Freitag, 3. Dezember 2010

Tod meiner Schwester

Inna lillahi wa inna ilaihi raadschi'un - von Allah kommen wir und zu Ihm kehren wir zurück.

Jemand hat mal gesagt, dass das Leben auf dieser Erde die Zeit zwischen dem Adhan (Gebetsruf), der bei der Geburt eines Menschen gesprochen wurde und dem Gebet, der bei seinem Tod für ihn verrichtet wird, ist.

Letzten Donnerstag rief mich Bruder Adnan aus Hamburg an. Er leitet unsere muslimehelfen-Ansargruppe in Hamburg, unsere ehrenamtlichen Helfer, die seit Jahren sehr erfolgreich Benefizveranstaltungen organisieren. Von den Spenden dieser Benefizveranstaltungen haben bisher tausende Bedürftige profitiert. Unserer Ansargruppe lagen besonders Waisenkinder am Herzen, so dass sie mehrere Male ein Sommerfest für Waisenkinder durchführten, für das sie sich monatelang vorbereiten mussten.

Die Nachricht, die mir Bruder Adnan am Telefon übermittelt, erschütterte mich: Unsere Schwester Najla aus dieser Ansargruppe war bei einem tragischen Autounfall umgekommen!
Es war im letzten Sommerfest, bei der ich Schwester Najla zum letzen Mal gesehen hatte. Sie war die „rechte Hand“ von Adnan. Obwohl sie als Ärztin beruflich sehr beschäftigt war, gönnte sie sich keine Ruhe: Sie setzte ihre ganze freie Zeit in der Ansargruppe ein, unterrichtete Kinder und Jugendliche in der Moschee und stand zur Verfügung, wenn der Einsatz für Allah und den Islam gefragt war. Sie tat dies stets ohne sich in den Vordergrund zu drängen oder Aufmerksamkeit für sich zu beanspruchen. So war sie Vorbild für viele jüngere Geschwister in ihrem Umfeld.

Beim letzten Sommerfest hatte ich sie zuletzt gesprochen. Aber wer außer Allah konnte wissen, dass dies das letzte Mal sein sollte. Wie gerne hätte ich ihr gesagt, dass ich sie als Schwester schätze und ihren Einsatz bewundere. Diese Wertschätzung werde ich nun in meinen Duas (Bittgebeten) für sie ausdrücken.

Möge Allah sie in Seine Barmherzigkeit aufnehmen und ihr für ihre Anstrengungen das Paradies geben. Die Worte unseres geliebten Prophet (s) drücken auch meine Gefühle und die von muslimehelfen aus. Als der Sohn des Propheten (s) gestorben war, sagte er (s): „Die Augen vergießen Tränen und die Herzen trauern.“

Rüştü Aslandur, muslimehelfen

Freitag, 26. November 2010

Hidschra

Bald ist der 1. Muharram 1432. Der Beginn eines neuen Jahres nach Zeitrechnung der Hidschra - die Auswanderung des Propheten Muhammad (s) mit seinen Anhängern von Mekka nach Medina.

Diese Auswanderung eines Mannes mit ungefähr 70 seiner Anhänger war solch ein gravierendes Ereignis, dass es den Verlauf der Geschichte änderte.
Er (s) wanderte nach Medina aus. Seine Begleiter und er (s) wurden zu Migranten in Medina. Auch viele von uns sind Migranten in diesem Land.
Warum hat unsere Auswanderung kaum Auswirkung in dieser Gesellschaft? Ich muss mich verbessern: Warum hat sie keine positive Auswirkung? Oft hat sie ja mehr einen negativen oder gar keinen Effekt. Warum brachte die Auswanderung des Propheten (s) eine Veränderung in der Geschichte und unsere nicht einmal in unserer nächsten Umgebung?
Die offensichtlichste Antwort auf die Frage ist, dass die Gründe zur Auswanderung unterschiedlich waren. Was war der Beweggrund des Propheten (s) und was ist unsere Motivation, dass wir in diesem Land leben?
Wir haben „gute“ Gründe, aber vergessen wir dabei nicht unsere wesentlichen Aufgaben als Muslime, achten wir auf die Pflichten, die uns der Islam aufträgt. So ist es angebracht gerade zu dem Ereignis der Hidschra unsere Motivationen und Absichten zu überprüfen, warum wir hier leben.
Zu den großartigsten und wertvollsten Lehren der Hidschra gehört es auch, nie die Hoffnung aufzugeben. Die Hidschra lehrt die Gläubigen die Hoffnung auf das unbedingte Versprechen Allahs, des Erhabenen. Sie lehrt die Hoffnung auf Erlösung aus der Drangsal, auf Würde nach der Demütigung und die Überwindung der Niederlage.

siehe auch wissen&tun-Artikel: Zeitrechnung im Islam

Rüştü Aslandur, muslimehelfen

Freitag, 19. November 2010

Erinnerungen an meinen Haddsch

Wie lange ist meine Pilgerfahrt her? Mein jüngster Sohn, Suheyb, war damals 2 Jahre alt. Heute ist er 14, also sind 12 Jahre vergangen.
Als mich das Gefühl überkam zu pilgern, kratzte ich mein letztes Geld zusammen. Allerdings hatte ich noch Schulden. Meiner Frau musste ich noch einen Teil der Brautgabe zahlen. Verschämt brachte ich ihr mein Anliegen vor, ob sie mir die Schulden erlassen könnte. Da sie meine Sehnsucht zu den Heiligen Stätten nachvollziehen konnte, erließ sie mir diese.
Mir war bewusst, dass die Reise und die Haddsch-Praxis anstrengend sein würden. Als Mitteleuropäer, der bestimmte Standards in Bezug auf Komfort und Organisation gewohnt ist, war dies dann tatsächlich nicht immer leicht: Die Klimaanlage im Flieger ist ausgefallen, die Warterei war nervig, Gepäckstücke gingen verloren, Busse haben gefehlt und ein schattiger Platz in der sengenden Hitze war schwer zu finden.
Von diesen Ansprüchen habe ich mich aber schnell verabschiedet, als ich einen Pilger Turkmenistan traf. Ich fragte ihn, wie er zur Hadsch kam: „Mit dem Bus, die Fahrt hat 2 Wochen gedauert“ antwortete er. Besonders fielen mir auch die Muslime aus Dagestan im Kaukasus auf, weil sie mit einem umgebauten Gelände-Lkw gekommen waren, den sie als Wohnwagen benutzten. Deren Reise dauerte sicher viel länger als meine.
Aber die körperlichen Strapazen wurden mit den geistigen Geschenken schnell belohnt: die Sicht auf die Kaaba, das Beten in der Masdschid al-Haram, die Ruhe in der Prophetenmoschee, die Tawaf mit hundertausenden anderen Pilgern, der Sai sowie die Millionen Pilger vor uns, das Trinken vom Brunnen Zamzam und das Stehen und Sprechen von Bittgebeten am Tag der Arafat.
Mein Lieblingsplatz war die Prophetenmoschee. Nur dort fand ich die Ruhe im Gebet, die ich im hektischen Alltag vermisse. In den Industrieländern und den modernen bzw. postmodernen Gesellschaften geht alles stressig zu. Die Zeit ist verplant, Leistung, Produktivität und Effektivität werden verlangt. Obwohl der Haddsch wegen der drei Millionen Pilgern eine gewisse Hektik besitzt, gibt sie dem Pilger Ruhe und Ausrichtung auf das Wesentliche im Leben. Ich wünschte nur, dass wir dies bewahren können. Vielleicht erlaubt mir Allah ja einen weiteren Haddsch und es klappt dieses Mal – inschallah.
Rüştü Aslandur, muslimehelfen

Freitag, 12. November 2010

Wie sollten wir unsere Feste feiern?

Im Islam beginnen die Feste mit einem gemeinsamen Gebet, an dem alle Männer, Frauen und Kinder teilnehmen sollen. Der Prophet (s) sagte dazu: „Das erste, was wir an diesem Tag machen werden, ist das Gebet zu verrichten“ (s. Buchari, 'Idain, 3). Das Feiern von Festen und die Gefühle der Freude nehmen also seinen Beginn mit dem Ausdruck von Dankbarbeit im Form dieses Festgebets. In einer anderen Aussage bemerkte Allahs Gesandter (s), dass es eine Tugend ist, die Nächte des 'Id (mit Gottesdiensten) zu beleben (s. Ibn Madscha, Siyam, 68).

Hier gibt es Hinweise zu Gottesdiensten

Manche Menschen mögen annehmen, dass die Muslime nicht fröhlich sein dürfen oder keine Freude zeigen sollten. Wenn wir uns aber die Praxis und die Aussagen unseres geliebten Propheten (s) betrachten, dann stellt sich uns ein anderes Bild dar. Er (s) sagte: „ Der Tag des Arafat, des Opferfestes und die Tage des Taschrik sind Feste von uns Muslimen...“ (s. Abu Davud, Saum, 50). Muslime sollen sich deswegen an den Festtagen gegenseitig besuchen, zum Fest gratulieren, essen, trinken und sich im erlaubten islamischen Rahmen vergnügen. Es wird überliefert, dass die Gefährten sich mit den Worten „Takabbalallahu minna wa minkum d.h. möge Allah es von uns und euch annehmen“ gratuliert haben. So haben auch die ersten Muslime mit dem Propheten Muhammad (s) gefeiert.

Als Minderheit in einem Land, das in religiösen Dingen mehrheitlich vom Christentum geprägt ist, ist es besonders für unsere Kinder wichtig eine Atmosphäre des Festes und der Freude einzurichten. Wir würden uns auf eure Kommentare hier freuen, wie ihr diese Atmosphäre erzeugt. Dies ist bestimmt interessant auch für andere Geschwister.

Wir als Team wünschen euch von muslimehelfen ein gesegnetes Opferfest, möge Allah unsere Gottesdienste und unser Kurbanopfer annehmen.
Wassalam
Rüştü Aslandur, muslimehelfen

Freitag, 5. November 2010

„Kann ich Euch vertrauen?“

Ist das eine Frage, die ihr euch mal in Zusammenhang mit muslimehelfen gestellt habt?
Diesen und ähnlichen Fragen begegnen wir nicht nur in der Zeit des Kurban.
Ich sehe dieses Hinterfragen weder kritisch, noch überflüssig an. Im Gegenteil. Vertrauen ist einer der elementarsten Bedingung, die erfüllt sein muss, wenn Menschen eine Beziehung eingehen: In der Ehe, beim Handel, bei der Auswahl eines Lehrers usw. Und nicht zuletzt vertrauen wir Muslime auf einen Menschen, der die abschließende Offenbarung Gottes erhielt und verkündet hat. Nicht zufällig hat Allah, der Erhabene, solch einen Gesandten erwählt, der von seinen Landsleuten den Beinamen „al-Amin“ (der Vertrauenswürdige) erhielt.
Also ist es auch gut, dass jemand versucht herauszufinden, ob eine Hilfsorganisation mit seinen Spenden vertrauenswürdig umgeht und im Falle des Kurban, seine Pflicht der Kurbanschächtung islamisch korrekt vornehmen lässt.

Wie können wir aber das Vertrauen der Menschen, die durch muslimehelfen, Bedürftige unterstützen wollen, gewinnen? Vor allem, wenn wir uns nicht persönlich kennen? Kaum jemand wohnt ja in der Nähe unseres Büros und hat die Möglichkeit einen face-to-face Kontakt herzustellen. Das ist also kein einfaches Unterfangen.
Wir haben ja eigentlich nur die Kommunikationskanäle wie die mh-Zeitschrift, Webseite, Facebook-Seite, Blog, mit der wir etwas mitteilen können. Oder jemand ruft bei uns an und stellt die Fragen, die ihn bewegen, direkt an uns.
Am Beispiel von mir selbst möchte ich aufzeigen, wie ich selbst Vertrauen zu muslimehelfen gewonnen habe. Denn das kann ich am besten nachverfolgen und aufzeigen.
Seit seiner Gründung habe ich muslimehelfen mehr als 15 Jahre als ehrenamtlicher Helfer unterstützt: Ich habe (gebrauchte) Rollstühle für Afghanistan besorgt, Medikamente für Bosnien gesammelt, Spenden für verschiedene Projekte weitergegeben und auch Kurban für mich und meine Familien schächten lassen. Informationen bekam ich über muslimehelfen von manchen Geschwistern und durch Briefe und Publikationen. Ganz toll fand ich die Tatsache, dass muslimehelfen aus einer Initiative von deutschsprachigen Muslimen entstand. Nun bin ich seit etwa acht Jahren bei muslimehelfen beschäftigt. Meine Kurbanhilfe und meine Unterstützung für muslimehelfen gehen noch intensiver weiter. Das bedeutet, dass mein Vertrauen gewachsen ist, nachdem ich noch mehr Einsicht in die Arbeit von muslimehelfen bekommen konnte.

Alhamdulillah hatte ich vor einiger Zeit auch sogar die Gelegenheit bei Kurbanprojekten vor Ort anwesend zu sein. So konnte ich auch als Augenzeuge in Veranstaltungen darüber berichten wie die Kurbanschächtung und –verteilung konkret vor Ort abläuft.
Damit ihr nachvollziehen wie Kurban in den Projektländern abläuft , haben wir für euch einen Film auf Youtube hineingestellt:
http://www.youtube.com/watch?v=M73ZO45tnas

Unsere Projektpartner versuchen gewissenhaft den Auftrag der Kurbanschächtung durchzuführen. Sie versehen die Opfertiere mit den Namen der Kurbanspender (siehe Foto).
Nach der Schächtung schicken wir jedem Spender dann eine Kurban-Urkunde zu, die bestätigt, dass wir in seinem Namen den Kurban schächten ließen.

Wassalam
Rüstü Aslandur, muslimehelfen

Freitag, 29. Oktober 2010

Kurban - Sinn und Praxis

Zur Zeit der Haddsch begehen wir Muslime Jahr für Jahr das Opferfest. Dieses Ereignis fällt auf den 10. Dhu‘l Hiddscha des islamischen Mondkalenders. Das Fest steht in Verbindung mit dem Vorbild des Propheten Ibrahims (s), der großen Wallfahrt (Haddsch) und dem Opfern eines Opfertieres.

Ein Opfer als Prüfung und Zeichen
Kannst Du auf das Liebste verzichten? Dem Propheten Ibrahim (as) wurde diese Frage gestellt. Um Allahs Willen zu erfüllen, sollte er seinen einzigen Sohn Ismail opfern. Als die beiden in vollständiger Gottergebenheit Allahs Anweisungen umsetzen wollten, befreite der Allbarmherzige sie von dieser Prüfung und sandte ihnen stattdessen ein Opfertier.

Ziel und Absicht des Opferns
Es ging hier also niemals um Fleisch oder Blut. Wenn wir Muslime das Opfer durchführen, geht es um Gottesfurcht. Gott prüft damit unsere Opferbereitschaft. Im Koran heißt es dazu: „Sicher erreicht nicht ihr Fleisch Allah, und nicht ihr Blut, sondern es erreicht Ihn die Gottesfurcht von euch.“ (Koran Sure 22, Vers 37)

Das Gebot des Opferns
Der Prophet Muhammad (s) sagte: „Wer (sich im) Wohlstand (be-)findet und nicht opfert, der soll sich bestimmt nicht unserem Gebetsplatz nähern!“ (überliefert in Darimi)
Islamische Gelehrte bemerken, dass das Darbringen eines Opfertieres verpflichtend ist (wadschib) bzw. eine starke Sunna (sunna al-mu’akkadah) darstellt.

Jemanden zum Opfern beauftragen
Der Prophet (s) hat im Namen seiner Ehefrauen Tiere geopfert. Insofern erlaubt der Islam jemanden zu beauftragen, für ihn zu schächten. Daher senden viele Muslime Geld zu Verwandten ins Ausland oder geben Hilfsorganisationen, wie z.B. muslimehelfen, den Auftrag die Schächtung durchzuführen. So erhält jeder Muslim doppelte Belohnung: Erstens, er erfüllt die islamische Vorschrift. Zweitens, er spendet das ganze Opfertier an Bedürftige.

Möge Allah alle Opferspenden annehmen und das Leid der Bedürftigen dadurch lindern!

Wassalam
Rüştü Aslandur, muslimehelfen

Sonntag, 17. Oktober 2010

Erinnerung an das größte Opfer Ibrahims

Wie gelangt der Mensch zur Gottesfurcht und erhält die Zufriedenheit seines Schöpfers? Manchen Muslimen erlaubt Allah, der Erhabene, die Wallfahrt, genannt Hadsch. Die Pilger spüren in den Heiligen Stätten die Atmosphäre, in der Ibrahim (as) seine Gottesfurcht vertiefte. Die Glaubensgeschwister aus aller Welt leben die Geschichte Ibrahims (as), Ismails (as) und Hadschars nach.
Diese Welt und das jetzige Leben sind eine Prüfung für uns von Allah (siehe Koran 67:2). Prüfungen bedeuten Schwierigkeiten, Entbehrungen und Opfer. Tests werden gestellt, damit der Bessere, der Geeignetere und Qualifiziertere ermittelt wird. Wer denkt, er durchläuft die Welt ohne eine Prüfung, der irrt (siehe Koran 29:3).
Ibrahim (as) ist seinen Weg gegangen, trotz Prüfungen mit seinem Vater, seiner Familie und der Gesellschaft. Seine schwerste Prüfung: seinen lang ersehnten Sohn zu opfern.
Ibrahim, genannt auch Halilullah was der innige Freund Allahs bedeutet, besteht. Seine Willenskraft und Gottergebenheit wird zum Vorbild für Milliarden Menschen. Bis heute. „Und (gedenke) als Ibrāhīm von seinem Herrn mit Worten geprüft wurde, da befolgte er sie. Er (Allah) sagte: „Ich will dich zu einem Vorbild für die Menschen machen...“ (Koran 2:124)
In diesen Tagen erinnern wir uns der schweren Prüfung Ibrahims (as) und seiner Opferbereitschaft. Und wir erinnern uns daran, dass Allah allen Gläubigen - bei ihren schweren Prüfungen zu Hilfe eilt - wie bei Ibrahim (as). Mit dem Bewusstsein Ibrahims, auf das Liebste verzichten zu können, wünschen wir allen Muslimen gesegnete Tage im Monat Dhu l-Hiddscha.

Rüştü Aslandur, muslimehelfen