Freitag, 17. Juni 2011

H → M&M




Und Wir gaben Mūsā und seinem Bruder ein: 'Weist eurem Volk in Ägypten Häuser zu und macht eure Häuser zu Gebetsstätten und verrichtet das Gebet. Und verkünde den Gläubigen frohe Botschaft.'“ (10:87)



Als die Unterdrückung Pharaos gegen die Muslime der Bani Israil im Lande Ägypten immer mehr zunahm, wies Allah Seine Gesandten, Musa und Harun (as) an, ihre Häuser als Zufluchtsort zu nutzen und sich von dort aus gegen Pharao und seine Anhänger zu verteidigen. Die Häuser der Muslime sollten wie eine Moschee (Masdschid) funktionieren. So sollten die Häuser nicht nur ein Aufenthaltsort für die Familie sein, worin ihre Mitglieder darin schlafen und essen. Die Muslime sollten ihre Häuser zu einer Einrichtung machen, die bestimmte Funktionen erfüllt.



Auch zur Zeit des Propheten Muhammad (s) gab es ein Haus, das diese Funktionen wie zur Zeit Musas (as) erfüllte. Die Situation war ähnlich: Außerhalb der Häuser unterdrückten, folterten und brachten die Feinde des Gesandten Gottes die Muslime um. Das Haus, das die erwähnte Funktion erfüllte, war das Haus von Arkam (Dar’ul Arkam). Daru’l Arkam erfüllte vollständig die Funktionen einer Madschid und einer Unterrichtsstätte (Madrasa), eines Ortes für das Gebet und der Unterweisung im Islam. So konnten die Gläubigen im Daru’l Arkam fern vom Zugriff der Götzendiener (muschrikuun), den Islam lernen und leben. Die Götzendiener hatten nicht einmal Kenntnis über die Existenz dieses Versammlungsortes. Sie war ein Zufluchtsort der Gottergebenen, in der sie unter der Führung des Lehrers der gesamten Menschheit, nämlich des Propheten Muhammad (s), die Offenbarung Gottes lernten und begriffen und das Verstandene versuchten in ihrem Leben umzusetzen.



Auch eine öffentliche Moschee ist nicht bloß ein Ort, der zur Verrichtung des Gebets und des Koranlesens da ist. Es ist zudem keine Einrichtung, in der etwas abgeschottet und isoliert von dem gesellschaftlichen Leben funktioniert. Gerade in der Zeit unseres geliebten Propheten Muhammad (s) hatte die Moschee viele Funktionen wie die einer Ausbildungs- und Erziehungsstätte, einer Bibliothek, ein Ort der Dawa, ein Ort, in dem Gäste empfangen wurden, eine Halle, in denen Versammlungen und Vorträge durchgeführt wurden usw. Natürlich müssen wir uns weiterhin fragen, ob unsere Moscheen heute die genannten Funktionen erfüllen. Und danach gleich eine weitere wichtige Frage anschliessen: Erfüllen unsere Häuser und die Orte, in denen unsere Familien leben, sozusagen als “Filialen” dieser Moscheen auch eine ähnliche Funktion? Wird überhaupt in unseren Häusern das Gebet (gemeinsam) verrichtet oder ist er ein Ort, in dem kaum Gebete verrichtet werden oder vielleicht bisher kein einziges Gebet verrichtet wurde? Weiterhin: Wird in unseren Häusern bzw. Familien Koran gelesen, über den Koran gesprochen und machen sich die Familienmitglieder Gedanken über die Offenbarung Allahs?



Auch wenn die Zeiten zur Zeit des Pharaos und der unterdrückerischen Götzendiener zur Zeit des Propheten Muhammad (s) mit uns heute nicht vergleichbar sind, ist es dennoch notwendig unsere Häuser zu Gebets- und Unterrichtsstätten umzufunktionieren. Wenn wir genau darüber nachdenken, haben wir kaum wirkliche Alternativen dazu. Deswegen müssen wir uns selbst engagieren und unser Haus zu einer Madschid und Madrasa machen.



Deswegen sollte unsere Formel auch heutzutage lauten: Transformiert die Häuser zu Masaadschid und Madaaris (H → M&M)!






ştü Aslandur, muslimehelfen

Freitag, 10. Juni 2011

Allah redet mit Dir!

Der Koran wurde auf den Propheten Muhammad (s) herabgesandt. Allah ehrt ihn darin, in dem Er ihn z.B. mit „O Prophet“ („Ya Nabi“) (65:1) , „O Gesandter“ („Ya Rasul“) (5:67) anspricht. Manchmal ordnet Allah ihn an etwas zu übermitteln, indem Er die Anweisung „Sprich:“ offenbart!

Zwar ist die letzte Offenbarung auf den abschließenden Gottesgesandten (s) herabgekommen, aber Allah spricht darin das meist geehrte Geschöpf, den Menschen, an. Interessant ist, dass Er die Menschen dabei aber nicht einfach pauschal anredet. Die Anreden Gottes im Koran sind unterschiedlich und sehr differenziert. Der Grund liegt darin, dass die Menschen nun einmal selbst unterschiedlich sind. An einer Koranstelle drückt Allah diese Tatsache folgendermaßen aus „Sie sind nicht alle gleich“ (3:113). Dies ist natürlich gleichzeitig eine indirekte Aufforderung zur Differenzierung und gegen eine Pauschalisierung bei Anrede und Behandlung von Menschentypen oder Menschengruppen unsererseits. So finden wir in der Anrede Allahs nicht nur die Gläubigen, die angesprochen werden, sondern auch die Glaubensverweigerer, die Nachkommen Jakobs, die Leute, die bereits eine Schrift erhielten oder die Menschen insgesamt. Menschen werden natürlich aufmerksam und werden aufhorchen, wenn sie als Mitglieder einer bestimmten Gruppe angeredet werden. Der Koran ist meines Wissens die einzige göttliche Offenbarung bzw. die Heilige Schrift, die solch eine direkte Anrede benutzt und nicht nur um Vorschriften und Anweisungen zu übermitteln.

Besonders die Stellen im Koran, an denen Allah, der Allmächtige, die Gläubigen anspricht, sollten die Muslime aufmerksam lesen oder ihnen zuhören. Wenn man nämlich als Muslim den Glauben an Allah, die Gesandten und den Jüngsten Tag für sich beansprucht, müssten uns die Passagen, die mit „O ihr, die ihr glaubt...“ beginnen die größte Aufmerksamkeit bei uns erzielen. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn Allah in der Sure an-Nisa folgendes zu Bedenken gibt: „O ihr, die ihr glaubt, glaubt an Allah und Seinen Gesandten“ (4: 136). Anders ausgedrückt bedeutet dies „glaubt wirklich!“ und „Belegt den Anspruch eures Glaubens an Allah und Seines Gesandten, indem ihr folgendes macht...“.

Wir dürfen keinen Vers des gesamten Koran auslassen oder vernachlässigen, der für uns Menschen herabgesandt wurde. Aber besondere Aufmerksamkeit müssen wir walten lassen, wenn Allah die Gläubigen anspricht. Denn hier redet Allah mit uns bzw. mit Dir und teilt Dir die wichtigsten Dinge für Dein Leben und das Leben danach mit. Wäre es nicht eine großer Frevel die Ohren oder den Geist diesem gegenüber zu verschließen.

Samstag, 4. Juni 2011

„Mädchen sollte man kein Lesen und Schreiben beibringen,

weil sie sonst später Jungen Liebesbriefe schreiben könnten“.

Als ich ein kleiner Junge war, hörte ich diesen Satz von ein, zwei älteren Leuten in dem kleinen türkischen Ort, von wo ich stamme. Als kleines Kind verstand ich das nicht und hielt dies irgendwie als ein „Gebot des Islam“. In meinem Heimatort gibt es keinen mehr, der dies denkt und ausspricht und wahrscheinlich in der ganzen Türkei auch nicht. Dennoch mag es sein, dass es in einigen muslimischen Ländern – und nicht nur dort - immer noch diese Art von Vorstellungen gibt oder mindestens die Menschen es nicht nötig sehen, dass auch Mädchen in die Schule gehen sollten.

Man fragt sich unweigerlich als Muslim: „Wie ist konnte solch eine Ansicht in einem muslimischen Land entstehen, wenn dies weder aus der Lehre noch aus der (frühen) Geschichte der Muslime herrühren kann?“

Der erste Koranvers rief die Menschen (Männer und Frauen) mit „Lies!“ dazu auf Wissen, Bildung und Erkenntnis zu erlangen. Der Prophet (s) rief nach Erhalt der Offenbarung sowohl Männer und Frauen zum Islam ein und unterrichtete in der ersten islamischen Bildungsinstitution, dem Dar-ul Arqam in Mekka, in der ersten Zeit der Herabsendung der Offenbarung Männer und auch Frauen im Koran!

In Medina richtete der Prophet (s) eigens einen Tag ein, an dem er (s) mit den Frauen Unterricht durchführte. Aus den Quellen erfahren wir weiterhin, dass der Prophet (s) für die Unterrichtung mancher Frauen wie Fatima, der Schwester Omar al-Khattabs (ra, einen Lehrer, nämlich Habbab bin Arat (ra), zugeteilt hatte.

Gerade Aischa (ra), die in jungen Jahren in den Haushalt des Propheten (s) kam, wurde von ihm (s) selbst auf die beste Weise im Islam unterrichtet und erzogen. Da Aischa (ra) eine sehr gute und schnelle Auffassungsgabe und ein gutes Gedächtnis besaß und zudem mit hoher Intelligenz ausgestattet war, wurde sie bald ein leuchtendes Vorbild der Gelehrsamkeit für Frauen und Männer. Sie erweiterte ihr Wissen durch ihren Talent in Bereichen des Fiqh, der Geschichte, Genealogie, Dichtung, Medizin und Sternenkunde usw. Sie überlieferte mehr als 2200 Ahadith vom Propheten (s) und unterrichte Frauen und Männer noch fast 45 Jahre nach dem Tode des Propheten (s). Aischa (ra) war außerdem eine brillante Lehrerin, bei der große Gelehrte wie die Juristen Said b. Abu Atik und al-Qasim b. Muhammad Unterricht erhielten.

Aischa war aber nicht die einzige Gelehrte, die der Prophet (s) erzogen hatte. Auch Umm Salama (ra), Sawda, Hafsa (ra) oder Zainab (ra) waren als Lehrerinnen und Gelehrtinnen aktiv.

Die neueste Forschung zeigt durch die Auflistung von Gelehrtinnen und gelehrsamen Frauen im Islam mit konkreten Namen, dass diese Kette von gelehrsamen Frauen bis ins Mittelalter wahrscheinlich von der Zeit des Propheten (s) nicht abgerissen war. Schwester Katrin Klausing berichtet z.B. in ihrer kurzen Abhandlung auf ihrer Webseite (www.musafira.de) über islamische Gelehrtinnen. Sie schreibt: „Ibn Hajar selbst verweist auf 53 weibliche Gelehrte, bei denen er studierte, und as-Sakhawi gibt an, solche Zertifikate (Ijaza) von insgesamt 68 weiblichen Hadithgelehrten erhalten zu haben.“ Ibn Hadschar war ein großer islamischer Gelehrter, der u.a. einen Kommentar zu Sahih al-Bukhari verfasst hat. Zudem erwähnt Schwester Kathrin kurz einige Namen mit ihren jeweiligen Professionen.

Unsere Schwestern sollte an dieser Tradition der islamischen Gelehrtinnen anknüpfen und die Männer, ganz gleich, ob es ihre Väter, Ehemänner oder Brüder sind, sollten sie dabei motivieren und unterstützen.

Rüştü Aslandur, muslimehelfen


Freitag, 27. Mai 2011

Florence Nightingale oder Rufaida bint Sa'd al-Aslamiyya?

Als ich meiner Kollegin die Überschrift des Blogs vorlas, meinte sie spontan: „die erste kenne ich, aber wer ist die zweite Person?“. So wird es wahrscheinlich vielen gehen. Florence Nightingale hat man in der Schule mindestens im Englischunterricht mal durchgenommen. Sie gilt als die „berühmteste Krankenschwester“ der Neuzeit. Sie lebte in England des viktorianischen Zeitalters und galt als Pionierin der Kranken- und Gesundheitspflege. Ihre Motivation zu helfen, erwähnt sie einmal in ihrem Tagebucheintrag mit folgenden Worten: „Gott sprach zu mir und rief mich in seinen Dienst.“

Rufaida bint Sa'd al Aslamiyya (ra) wurde im 7. Jahrhundert in Yathrib als Angehörige des Stammes der Hasdrasch von der Linie der Bani Aslam geboren. Sie nahm mit ihrem Mann durch die Gespräche mit Musab bin Umair (ra) den Islam an. So waren sie eine der ersten, die vom Stamme der Bani Aslam Muslime wurden. Rufaida lernte von ihrem Vater Sa'd al-Aslami, der Arzt war, Medizin und Behandlungsmethoden. Sie widmete sich danach in der Stadt Medina der Gesundheits- und Krankenpflege. Sie richtete neben der Prophetenmoschee ein Zelt auf, in dem die Kranken behandelt wurden. Sie nahm zudem an den Schlachten von Badr, Uhud und Khandak teil und kümmerte sich um die Verletzte der Schlacht. Die Sirawerke berichten davon, dass als Sa'd bin Muadh (ra) ein Pfeil traf und der Prophet (s) die Gefährten anwies ihn in das Behandlungszelt von Rufaida zu bringen. Rufaida zog den Pfeil aus dem Körper von Muadh (ra), stoppte seine Blutung und behandelte seine offene Wunde. Als die muslimische Armee sich zur Schlacht von Khaybar vorbereitete, unterrichte Rufaida (ra) einer größeren Anzahl von Frauen in Erster Hilfe und in den verschiedenen Behandlungsmethoden. Die so ausgebildeten Frauen baten den Gesandten Allahs (s) um Erlaubnis in die Schlacht von Khaibar mitgehen zu dürfen. Der Prophet (s) erlaubte es ihnen mit den Worten „Mit dem Segen Allahs“. Diese „medizinische Einheit“ war den Muslimen zu Diensten und der Prophet (s) gab ihnen für ihren Dienst genauso einen Anteil an der Kriegsbeute wie den kämpfenden Einheiten. Der Prophet (s) verlieh einigen von diesen Frauen, die herausragendes geleistet haben, sogar eine Halskette als Zeichen der Ehre. Der Dschihad von Rufaida (ra) war es die Verwundeten zu versorgen und Kranke zu behandeln und zu pflegen. Sie zog mit ihrer mobilen Klinik dorthin, wo sie gebraucht wurde. Rufaida bint Sa'd al-Aslamiyya war nicht nur im medizinischen Bereich aktiv, sondern auch in anderen sozialen Bereichen. So kümmerte sie sich um die Armen und Waisen oder Menschen, die sich selbst nicht versorgen konnten. Rufaida (ra) gilt somit als die erste Krankenschwester des Islam. Wenn man aber fragen würde wer bekannter ist: „Florence Nightingale“ oder „Rufaida bint Sa'd al-Aslamiyya“, dann würden die meisten wahrscheinlich „Florence Nightingale“ antworten. Warum auch Muslime Rufaida bint Sa'd al-Aslamiyya nicht kennen, ist aber ein Nachdenken darüber wert. Vielleicht sollten Muslime einigen ihrer Krankenhäuser und medizinischen Ausbildungsinstituten den Namen dieser geehrten Gefährtin des Propheten (s) geben, damit ihr vorbildliches Leben bekannter wird. Oder sollten wir unsere Mädchen öfters Ruwaida nennen, damit sie nicht vergessen wird?


Rüştü Aslandur muslimehelfen

Freitag, 20. Mai 2011

“...Und senke deinen Flügel über die Gläubigen”

Allah weist unseren geliebten Propheten Muhammad (s) in dem Koranvers, der die Überschrift unseres Blogs bildet, an, Seinen gläubigen Knechten und Mägden mit Bescheidenheit und Barmherzigleit zu begegnen (s. Sura al-Hischr (15): 88). Diese Aufforderung gilt besonders Schutz- und Hilfsbedürftigen. Denn die Gläubigen sind Geschwister und deswegen gerade sie verpflichtet sich gegenseitig zu umsorgen und Last abzunehmen.


Allah prüft die einen mit Not und Drangsal und möchte, dass sie geduldig die Prüfungen, die Er ihnen gibt, durchstehen. Die Menschen, die in ihrer Nähe sind und die mit dem Bund des Glaubens mit ihnen verbunden sind, sollen nicht Zuschauer dieser Prüfung sein und sie nicht als Unbeteiligte allein überlassen. So sind Gläubige verpflichtet den in Not geratenen Unterstützung zukommen zu lassen. Die Bemühung um solche Hilfe wird bei Allah so betrachtet, als ob jemand tagsüber fastet und nachts im Gebet steht, so wie es der Prophet Muhammad (s) bemerkte: “Wer sich um alleinstehende Frauen und Bedürftige kümmert, ist so, als ob er ständig im Gebet stehen und tagsüber ohne Unterbrechung fasten würde. (Buhari). Das ständige Gebet und Fasten drückt die große Mühe und Geduld, die bei diesem Vorhaben notwendig ist, aus.


Und es ist bekannt, dass unser geliebter Prophet (s) gemäß dieser Aussage auch selbst sich sehr für die Witwen und älteren Frauen einsetzte.


Früher wie heute gibt es Menschengruppen, die besonders der Hilfe bedürfen, für die bei muslimehelfen mit einer Kampagne zu Hilfe aufgerufen wird. Bedürftige (alleinstehende) Frauen sind eine Gruppe. Mit den Projekten aus den Spenden werden Schwestern vor Armut, Ausbeutung, Missbrauch und Perspektivlosigkeit geschützt.


Wer nicht in der Lage ist ständig im Gebet zu stehen und tagsüber zu fasten, der solte sich wenigstens nicht die Belohung dafür entgehen lassen. Folgen wir also der Aufforderung unseres Herrn und senken wir unsere Flügel über unsere Schwestern...


Rüştü Aslandur, muslimehelfen

Samstag, 14. Mai 2011

Frauen zur Zeit des Propheten (s)

Das 7. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung würde man nicht unbedingt als„zivilisiert“ bezeichnen. Von der Zivilisation war damals auch die Bevölkerung der arabischen Halbinsel abgeschnitten, wobei im Grunde nur ihre Händler Kontakte zur Außenwelt besaßen. Der Einzelne war in Stammesstrukturen eingebunden und es galt das Recht des Stärkeren. So ist es nicht verwunderlich, dass Frauen und sozial Schwache allgemein gesellschaftlich benachteiligt waren. Dennoch besaßen die von der Zivilisation fernab lebenden Araber auch Eigenschaften und Sitten, die ihre Ehrlichkeit, Loyalität, Freiheit und Großzügigkeit widerspiegelten.


Die arabische Stammeskultur beherbergte in der vorislamischen Zeit aber auch grausame Praktiken wie das Töten von Mädchen, um eine mögliche spätere Versklavung dieser in einem Krieg zu verhindern. So dachten sie die Ehre ihrer Frauen und Familie schützen zu können. Weiterhin konnte ein Mann eine uneingeschränkte Anzahl von Frauen heiraten oder Sklavinnen besitzen. Dabei gab es verschiedene „Heiratsformen“ wie z.B. die Ehelichung der Stiefmutter nach dem Tod des Vaters oder die Heirat der leiblichen Schwestern im Austausch usw.


Mit der letzten Offenbarung Allahs und Übertragung dieser Offenbarung in das praktische Leben durch den abschließenden Gesandten Gottes (s) veränderte sich mit der Zeit auch die Situation der Frauen. Als den Männern vor Allah gleichgestellte Geschöpfe, erhielten die Frauen mehr Selbstbewusstsein, Anerkennung und Rechte, das sich in den unterschiedlichen Bereichen des muslimischen Lebens und Gesellschaft auswirkte. So ist die folgendee Überlieferung bezeichnend, die Omar bin Khatab (ra) zugeschrieben wird: „In der vorislamischen Zeit galten die Frauen nichts unter uns. Als der Islam kam und uns Allah diesbezüglich aufmerksam machte, verstanden wird, dass sie Rechte über uns besitzen“ (Buhari, Libâs, 31; Tafsîr 66, 2). Diese Anerkennung der Rechte und das gestiegene Selbstbewusstsein führte bei den Gefährtinnen des Propheten (s) dazu, dass sie ihre Aufgabe und Verantwortung als Muslimas in der Gemeinschaft besser wahrnehmen konnten. Sie waren sich zudem der Tatsache bewusst, dass ihnen die Rechte nicht für die Auseinandersetzung zum Widerstreit mit den Männern oder ihren Familien gegeben war. Sie setzten diese Freiheit und Rechte für das wahre Ziel ein, nämlich den Wettstreit für das Gute voranzubringen - in diesem Sinne auch im Wettstreit für das Gute mit den Männern. Muslimische Frauen wurden vom Propheten (s) motiviert sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen wie der Bildung, Lehre, Wirtschaft, Medizinische Versorgung und sich sogar auf dem Schlachtfeld einzusetzen (in den nächsten Blogs werden wir uns inschallah an dieser Stelle auch mit einigen markanten Beispielen beschäftigen). Die Männer wurden durch die Offenbarung somit in der richtigen Verhaltensweise gegenüber ihren Schwestern im Glauben erzogen und konnten das lebendige Beispiel des Propheten Muhammad (s) nachahmen. Leider konnte dieser Zustand der angemessenen Behandlung der Frauen durch die Männer wie sie zur Zeit des Propheten (s) bestand, scheinbar nicht gehalten und gefestigt werden, wie uns die Überlieferung Abdullah Ibn Omars (ra) zeigt: „Wie hielten uns in der Zeit des Propheten zurück den Frauen (Schlechtigkeiten) zu sagen, ihre Rechte zu beschneiden und uns ihnen gegenüber grob zu verhalten, weil wir fürchteten, dass (dann) eine Offenbarung diesbezüglich hinabkommen könnte. Als aber der Prophet verstorben war, sagten wir ihnen gegenüber viel (verletzende) Worte und unser Verfehlungen ihnen gegenüber wurden größer.“ (Buhârî, Nikâh, 81).

Rüştü Aslandur, muslimehelfen


Freitag, 6. Mai 2011

„Prophetengefährten in Düsseldorf gesichtet“

Die Kette der Propheten (as) ist mit dem Siegel der Propheten (as) beendet. So wird nach dem letzten Gesandten Allahs (s) auch keiner mehr kommen, der eine Offenbarung Gottes empfangen wird. In diesem Sinne müssen wir alle dem letzten Propheten (s) folgen und ihn als Beispiel nehmen. Selbst zu Lebzeiten des Propheten Muhammad (s) war die Situation nicht anders: Auch die Zeitgenossen Muhammads (s) mussten dem abschließenden der Gesandten folgen und ihn zum Vorbild nehmen. Die Menschen, die dem Propheten Muhammad (s) folgten, werden Gefährten (ra) (Sahaba) genannt. Was zeichnet die Sahaba (ra) diesbezüglich aber aus? Es ist zunächst die Tatsache, dass sie die beste Gemeinschaft ihrer Zeit waren. Ist es darüber hinaus dann die bloße Feststellung, dass sie den Propheten (s) gesehen, an ihn geglaubt und eine gewisse Zeit mit ihm verbracht haben? Und somit auch ein besseres Verständnis der Offenbarung Allahs und die Praxis durch den „Koran auf zwei Beinen“ erhielten? Wenn dies der Fall wäre, hätte Allah sie damit nicht „bevorzugt“ und die nachfolgenden Generationen in einer gewissen Weise „benachteiligt“?

Leider haben wir nicht das Glück, dass der Prophet (s) uns mit seinen eigenen Händen erzieht, wie er (s) es bei seinen Gefährten (ra) getan hat. Wir besitzen nicht die Chance, Dinge, die wir über den Islam wissen wollen ihn direkt zu fragen und sichere und verbindliche Antworten zu erhalten.

Dennoch hat uns Allah auch in diesem Bezug nicht „benachteiligt“. Wir haben das größte Wunder, das Allah Seinem letzten Gesandten (as) geschickt hat - den Koran - unverfälscht zu unserer Verfügung. Wir haben zigtausende Berichte über unseren geliebten Propheten (s) und die Sammlung eines immensen Schatzes von Millionen von Abhandlungen über diese beiden Quellen von fast anderthalb Jahrtausend. Dies hatten die Sahaba ja nicht. Zudem haben wir auf der ganzen Welt tausende islamische Bildungseinrichtung wie Islamische Universitäten, islamwissenschaftliche Forschungsinstitute und Stiftungen. Und es gibt Millionen von hochmotivierten Islam-Studenten, gut ausgebildeten Imamen und brillianten islamischen Gelehrten, die sich tagtäglich intensiv mit dem Islam befassen.

Genügen diese Voraussetzungen nicht, den Islam richtig bzw. gut verstehen zu können? Mir ist so, als ob ich einen Einwand hören würde: Verstehen ist nur die Voraussetzung für den eigentlich wichtigeren Schritt, nämlich die Umsetzung. Das ist völlig richtig. Aber auch dazu sind die Voraussetzungen da. Wir haben als Angehörige einer zahlenmäßig kleineren Gesellschaftsgruppe selbst in diesem Land die Möglichkeit uns frei zu organisieren und den Islam zu praktizieren. Das zeigen alleine die bestehenden 2000 Moscheen und islamischen Vereine. Was fehlt also? Wir müssen die Qualität und das Niveau sowohl in der Anstrengung beim Verständnis (Lernen und Lehren), als auch der Umsetzung (praktischen Anwendung des Gelernten) erhöhen. Und dies geht natürlich nur in einer islamischen Gemeinschaft, die sich genau das zum Ziel gesetzt hat.

Als letztes müssen wir dann noch ein (anderes) Verständnis entwickeln, dass jeder von uns die Verantwortung besitzt ein Sahabi d.h. ein Gefährte seines eigenen Zeitalters und seiner Umgebung zu werden. Mit diesen Voraussetzungen hat jeder, auch nach dem Tode des Propheten Muhammad (s), die Möglichkeit ein „Prophetengefährte“ zu werden. Dann könnte bald eine Schlagzeile, wie die Überschrift dieses Blogs, lauten: „Prophetengefährten in Düsseldorf gesichtet“! Selbstverständlich dann nicht nur Düsseldorf.


Rüştü Aslandur, muslimehelfen